Posts mit dem Label Brief werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Brief werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

2016/12/31

Ade 2016

Da sind wir nun. In ein paar Stunden beginnt ein neues Jahr und ich möchte mich auch hier noch einmal von den vergangenen 366 Tagen verabschieden.

***

Liebes 2016!

Du endest, wie du begonnen hast. Mit bleischwerem Herzen. Allerdings war das auch nicht anders zu erwarten. Du warst kein Spitzenjahr. Selbst den Durschschnitt hast du nicht ganz erreicht. Du hast dich eher in der unteren Hälfte bewegt. Und dennoch. Ich danke dir für viele, wirklich schöne Momente. 

2016 war einiges los.
Ich habe die Weiterbildung zur Praxisausbilderin abgeschlossen, wir waren Schlitten fahren, Schneemann bauen, schwimmen, kraxeln und sowas wie wandern. Wir haben drei ziemlich volle Wochen im wunderschönen Schwarzwald erleben dürfen. Haben Kraft getankt und uns gewappnet. Wir durften bei einer Märchenhochzeit dabei sein, haben den großen Wusel eingeschult, sind neue Wege gegangen und beim Altem geblieben. Ich habe in diesem Jahr viel geweint, bin an meine Grenzen gekommen und habe sie überschritten. Ich bin gewachsen, allerdings nicht zwingend weiser geworden. Ich durfte viele wundervolle Menschen begleiten. Herzensmenschen, Lieblingsmenschen. Wir haben viele Erinnerungen geschaffen und ich trage sie tief in mir für den Rest meines Lebens. 

2016, es ist gut, dass du nun zu Ende bist. Es wird Zeit für ein neues Jahr. In dem nichts besser werden muss, aber gerne darf. In dem ich mehr Lachen werde und in dem ich wieder etwas näher zu mir komme. Denn. Das muss ich schon sagen. 2016 du hast mich ziemlich geschüttelt. Nicht gerührt.*

Ich freue mich auf eine weitere wundervolle Hochzeit im Jahr 2017, freue mich auf Herzens- und Lieblingsmenschen. Freue mich auf weitere Meilensteine. Auf Glücksmomente und aufs Pfützenspringen nach regnerischen Tagen.
Ich weiß, dass das kommende Jahr nicht zwingend leichter wird. Ganz gewiss wird es mich ebenso an bisherige Grenzen bringen. Aber. Diesmal bin ich vorbereitet. Denn, wenn du eines geschafft hast, 2016, dann das, dass ich wieder genauer hinschaue. Und genau dafür möchte ich dir danken.

2016 du warst nicht das beste Jahr, aber du warst wohl genau richtig, so wie du warst. Ich danke dir für deine Beständigkeit. Und dafür, dass ich ein Teil davon sein durfte. 

2016 mach's gut. Ich lese dich hin und wieder im neuen Jahr. Versprochen.

Ade

Minensie

*ganz nach der wunderbar bunten und lauten Tessa von ichsagnoe

2016/10/26

Morgenritual

Eines Tages werde ich vor dir stehen und dich fragen: "Mein kleiner Wusel, weißt du noch?" Und dann werde ich dir diesen dicken Packen an Briefen überreichen. Und du wirst darin diesen Einen hier finden:
 ***

"....

Dieser magische Moment. Vom Schlaf verbrauchte Luft, durch die der Wecker sich ganz zaghaft bemerkbar macht. Aufsteh-Zeit. Noch einmal umdrehen. Nur 5 Minuten. Den Träumen nachhängen. Und da deine kleine Stimme, noch zwischen Traum und Wirklichkeit, die mich ruft. Wie von selbst gehe ich barfuß den Flur entlang zu dir, knie mich vor dein Bett und breite meine Arme aus. Und du fällst in sie hinein. Zwischen Traum und Wirklichkeit. Du hälst mich mit deinen kleinen Händen, dein Kopf fest an mein Herz gedrückt. Ich trage dich. Mit Liebe. Und Träumen. Ganz leisen Träumen. Wir kuscheln uns unter die Decke, du rollst dich auf meinen Bauch ein. Wie ein zu groß gewordener Hundwelpe siehst du aus. Und du hälst meine Hand mit deinen kleinen Fingern.
Ich bin nun gänzlich wach, betrachte dich im Halbdunkeln und kann mein Glück kaum fassen. Der Wecker macht sich erneut bemerkbar. Nur noch 5 Minuten. Dich betrachten. Mich in diesem Glück verlieren. 

Die Restwärme der Bettdecke fühlt sich so unsagbar behaglich an. Mit dir auf meinem Bauch. Und dein kleiner Mund, der mir mit süßlichem Atem und geschlossenen Augen Fragen in diese Zwischenwelt hinein flüstert. 
Wir beide tanken Energie. Für die bevorstehenden Streitigkeiten und alle den Anforderungen, denen wir heute gerecht werden müssen.  Ich kraule deinen Rücken. Höre deinen Atem. Spüre dein kleines starkes Herz und bin so unfassbar Dankbar. Für dieses Leben, diese Liebe. 

Wir verabschieden uns beide von dieser Zwischenwelt. Decken gemeinsam die letzten zarten Träume zu und lassen die Wirklichkeit gewähren. Bereit für diesen neuen Tag. 

Ich danke dir, dass du mich so an deinem täglichen Erwachen teilhaben lässt. Das du mir, trotz aller Unstimmigkeiten am Tage, in der Nacht und vorallem in dieser besonderen Zeit zwischen Träumen und Wachen so vertraust, mir so nah bist und mir deine aufrichtige Liebe auf's deutlichste zeigst. Dieser Moment gehört in der Mehrzahl nur uns Beiden. Er ist so wunderbar und ich werde ihn schrecklich vermissen, wenn du mir völlig entwachsen bist. Aber ich werde ein Leben lang an diesen Moment, unseren Moment denken und muss lächeln. Wir machen Erinnerungen. Traumzarte und Taghelle. Nein. Du machst sie und lässt mich daran teilhaben.

Danke.

In Tage gehüllt.

Deine Mama

..."

2016/03/15

Ein weiterer Brief

Mein liebes Kind,

du bist so unglaublich groß geworden. Gerade gestern wurdest du erst auf diese Welt geholt und nun? Nun buchstabierst du, rechnest, willst so unbedingt das Lesen lernen und verblüffst mich mit deiner Auffassungsgabe immer wieder neu. Du bist mein erstes Kind und ich habe keinerlei Vergleich. Doch den brauche ich auch nicht. Du bist perfekt so wie du bist. Seit Monaten wälze ich deswegen die immer gleiche Frage hin und her. Einschlung ja? Nein? Und bleibe permanent am "vielleicht" hängen. Ich bin so unsagbar verunsichert. Ich möchte nichts falsch machen. Ich möchte das Beste für dich. Aber du bist eben mein erstes Kind und ich kann nicht in die Zukunft blicken. Ich habe keine Ahnung, welche Entscheidung die richtige wäre. Ein weiteres Jahr im Kindergarten. Kindsein wie es sich gehört? So liebend gerne! Das neue Jahr mit einem neuen Lebensabschnitt beginnen? Deinem Wissensdurst gerecht werden? Tausendmal Ja!

Seit ich die Bestätigung für dein wachsendes Leben hatte, macht mir das Schulthema Angst. Und ich kann in keinster Weise nachvollziehen warum. Ich selbst bin immer gerne zur Schule gegangen. Ich war immer die Kleinste, egal wie alt ich war. Ich war immer die Neue. Aber ich war immer gerne in der Schule. Ich habe es geliebt, lernen zu dürfen. Neues zu erfahren, neues zu entdecken. Ich habe es geliebt, morgens alleine zur Schule zu laufen, am Kaugummiautomaten vorbei, niemals ohne einen prüfenden Blick in das Auswurffach zu werfen, ob nicht vielleicht doch einer einfach so durchgerutscht ist. Ich hatte Spaß die Bauarbeiter am Morgen zu grüßen und diese eine Oma. Jeden Morgen. Für das gesamte erste Schuljahr. Ich habe es geliebt in die Bücherrei zu können. Bücher durchblättern zu dürfen, Hefte mit Worten füllen zu können. Ich habe es geliebt, Kreide an meinen Fingern zu spüren, meine eigene kleine Schieferntafel zu haben und mit meinem Setzkasten Wörter zu bilden. Ich habe es genossen, jeden Tag meinen Schulranzen für den nächsten Tag vorzubereiten. JEDEN Tag. Die Wochenenden waren da manchmal sehr hinderlich. Ich konnte nie aufhören zu fragen. Bis meine Mama ein Abo für eine Kinderlexikonreihe abschloss. Und ich so vieles hundertfach nachlesen konnte.
Es hat mich nie gestört, immer die Neue zu sein. Meine Mama zog mit meinen Geschwistern und mir so oft um, dass ich es als Kind nicht gezählt habe. Ich habe in der Grundschulzeit 2 mal die Schule gewechselt. In der Hauptschulzeit ebenfalls, bevor ich in der 6. Klasse in eine von Nonnen geführte Schule ging. Ab da waren die Umzüge nicht mehr relevant. Bis zur 10. Klasse hatte ich eine absolute Konstante, auch wenn wir bis dahin weitere 3 mal umzogen. JDas ich bis zur 12. Klasse den Wohnort gleich 3 mal wechselte fiel letztendlich gar nicht mehr ins Gewicht. Doch hat es mich ehrlich nie gestört.
Meine Schulzeit ist mit durchweg positiven Erinnerungen verknüpft. Deswegen verstehe ich wirklich nicht, warum ich schon so lange Angst vor deiner eigenen Schulzeit habe.

Du bist ein aufgeweckter Lausbub. Ein Aufpasser. Ein Ansager. Du weißt genau was du willst. Und du setzt es durch. Du bist mutig. Sehr sogar. Du bist so präsent. Und du bist nicht auf den Mund gefallen. Oder den Kopf. Es gibt keinen plausiblen Grund, dir den Schuleintritt zu verweigern.  Nichtdesto trotz zermarter ich mir das Hirn. Wenn diese eine Entscheidung nicht die richtige, nicht die beste für dich ist, dann habe ich das zu tragen.
Lasse ich dir ein weiteres Kindergartenjahr, könntest du mir das auf ewig krumm nehmen. Dass ich dich klein gehalten hätte. Das ich nicht an dich geglaubt hätte. Lasse ich dich zur Schule gehen, dann könntest du mir dieses ebenso vorwerfen. Zum Beispiel, dass du immer der Jüngste seist. Oder ich dich  damit überfordert hätte.  Hätte, hätte, Fahrradkette. Es ist zum verrückt werden.

Nun lasse ich den kommenden Informationsabend zum Schulbeginn auf mich wirken und warte mit dir das entgültige Schulscreening ab. Vielleicht nimmt mir ja jemand, in diesem Fall die Schule, die Entscheidung ab. Unterm Strich wird sie es. Das Ergebnis des Screenings wird der Stempel für den Entschluss.

Ich hoffe, ich begleite dich im richtigen Tempo. Ich hoffe, ich werde es stets bemerken, in welche Richtung du möchtest.

Du bist perfekt, genau so wie du bist! Und meine Zweifel haben am Ende in keinster Weise etwas mit dir zu tun. Sondern mit meiner eigenen Unsicherheit, dir nicht gerecht werden zu können.

Ich liebe den Weg, den ich mit dir gehe. Ich hoffe, du wirst ihn genauso lieben.

Deine Mama