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2016/09/20

So 'ne Schulwoche

We proudly present - Schul-Kindergarten-Zu-Bett-Geh-Chaos verdrängt von Kinderbastelei aka Lernuhr


Seit einer Woche begleiten der Herr von und zu und ich nunmehr einen Schulbub. Ich komme nicht umhin festzustellen - so ganz ist das noch nicht bei mir angekommen. Ich richte jeden Morgen Brotzeitboxen, denke sogar daran, nun auch wieder Trinken einzupacken. Ich räume Hefte ein und wieder aus, lasse mir Gelerntes zeigen, übe mich in Geduld und lächle meistens still vor mich hin. Ein Schulbub. Ganz ernsthaft.
Einer, dem der Schulranzen noch zu schwer ist, der Ausmalen als Hausaufgabe als äußerst seltsam empfindet, der plötzlich Kleinigkeiten nicht mehr können mag, der gerne sofort und gleich "richtig" lernen will, was auch immer das übersetzt heißen soll und der mich, dass will ich nicht verschweigen, durchaus in den Wahnsinn treibt, mit all dem drum herum.
Ein Schulbub. Jetzt echt.

Für mich bedeutet das ziemlich viel Umstellung. Plötzlich habe ich ein Kind zum Mittagessen zu Hause. Sprich, ich habe plötzlich Mittag. Zu Hause. Ein Umstand, dem ich nach drei Wochen Fremdbekochung, zwei Wochen Ferien-irgendwas-Modus und meiner grundsätzlichen Zerstreutheit, immer noch nicht so ganz im Fokus habe. Dann wäre da noch die Tatsache, dass sich meine "kinderfreie" Zeit drastisch verkürzt. Ich habe ja jetzt ein Kind zum Mittagessen zu Hause. Somit müssen alle dringlichen Dinge bereits bis 11 Uhr erledigt sein. Das heißt im Klartext: Keine großartigen Frühstücksgelage mehr, wenn ich nicht völlig aus der Zeit kommen möchte. Außerdem bedeutet es frühes Aufstehen. Für mich die größte und somit auch schlimmste Umstellung. Ich war in den letzten 5 Jahren darauf bedacht meinen Kindern zu vermitteln, dass vor 7 Uhr keine gute Aufstehzeit ist. Ihnen das jetzt zu erklären, dass vor 7 Uhr das neue Pünktlich ist, kratzt ziemlich an meiner Glaubwürdigkeit, wie ich vermute. Hachja.
Nicht zu letzt bedeutet es: Geduld auf Vorrat buchen. So leicht mich manche Dinge ungeheuer schnell auf die Palme bringen, so leicht fällt es mir, den Gang heraus zu nehmen, mich zurück zu lehnen und durchzuatmen, wenn mein müder, aufgedrehter und evtl. auch überreizter Schulbub einen Wutheulanfall nach dem anderen bekommt. Weil er auf gar keinen Fall noch einmal den Luftballon umranden kann. Oder weil da partu kein Kreis mehr in die Zeile passt. Oder weil halt. Irgendetwas findet sich immer um lautstark dagegen zu sein. Dennoch scheint mein Geduldsvorrat damit aufgebraucht, denn es macht mich leider viel zu schnell wahnsinnig, wenn plötzlich Dinge nicht mehr gemacht werden können, die zuvor einwandfrei klappten. Wie z. B. Schuhe anziehen. Oder Teller in die Küche tragen. Daran arbeite ich also noch, auch genau in diesen Situationen den Gang heraus zu nehmen und mich lächelnd zurück zu lehnen. Aber auch das werde ich lernen. Ganz bestimmt.

Doch weit größer ist die Umstellung für den Miniwusel. Das muss ich nun auch sehr deutlich festhalten. Ohne den großen Bruder in den Kindergarten zu gehen, dass ist schon anders. Das führt nahezu täglich zu Wuttränen bei der morgendlichen Übergabe, Bauchzwicken ob des Gefühls des alleine-zurück-lassens und grundsätzlicher Überreiztheit am Abend. Durchatmen hilft da wunderbar. Wenn man dran denkt. Ich für meinen Teil vergesse das manchmal. Öfter. Puh.

Nach einer Woche Schule kann ich sagen: Wie ist das spannend mit so einem Schulbub am Frühstückstisch. Wie ist es herrlich mit einem Kindergartenkind an der Hand. Das Loslassen fällt mir leichter, solange eine kleine Hand die meine noch halten will.

Liebe Schulzeit, wir kriegen dich auch noch organisiert!

Minensie

2016/09/14

Level up - Schulkind 2016

Mein liebes (Schul)Kind!

Nun war er also da, dein großer Tag! Wie lange hast du ihn schon herbei gesehnt? Wie oft hast du in den vergangenen Wochen, ach nein, Monaten gehört - jetzt beginnt der Ernst des Lebens. Und was soll ich sagen - du magst diesen "Ernst". Du würdest ihn lieber "Friedrich" nennen, denn das klingt freundlicher. Dennoch, ob Ernst oder Friedrich, er scheint ein ziemlich toller Freund zu sein. Als du gestern endlich, e n d l i c h, die befüllte Schultüte überreicht bekamst, bist du glatt noch einmal ein paar Zentimenter gewachsen, unter dem Gewicht des Schulranzen allerdings zeitgleich wieder etwas geschrumpft. Mit einem breiten Grinsen von einem Ohrläppchen bis zum nächsten.

Wenige Tage vor "Ernst" (oder "Friedrich) wolltest du ganz gewissenhaft noch einmal die Liste der Schulmaterialien durchgehen. Beziehungsweise - du wolltest, dass ich sie durchgehe, da du gerade damit beschäftigt warst, Piraten an Board zu lassen. Im Deligieren bist du heute schon gut. Ein bisschen bist du verzweifelt, als ich die Hälfte der Materialien wieder aus dem Schulranzen nahm, da du zunächst nicht verstehen wolltest, dass du nicht alles sofort am ersten Tag brauchst.
Das wir bis heute, auch zwei Tage nach Schulbeginn, noch keine Turnschuhe mit heller Sohle haben, stört dich nicht. Bist du bei allem, was Papier angeht, so akribisch genau, so ist es dir mit allem anderen eher gleich, ob es das Soll erfüllt. Schuhe sind Schuhe. Und zur Not geht es auch ohne. Ich liebe deinen Sinn für Praktisches!
Der Abend vor "Ernst" (oder "Friedrich") war für uns alle eher unruhig. Es lag so ein Knistern in der Luft. Erinnerst du dich? Du konntest so schlecht schlafen. Und ich erst! Wehmut und Stolz liegen so dicht beieinander!

Am morgen von "Ernst" überraschten wir dich mit einem neuen Frühstücksgeschirr und einem ganz eigenen Buch für diesen großen Tag. Dein kleiner Bruder platzte fast vor Stolz, allerdings auch vor Traurigkeit, dass du nun tatsächlich kein Kindergartenkind mehr sein wirst. Er trödelte und nörgelte, als wir ihn gemeinsam in den Kindergarten brachten. Er weinte auch und schimpfte mit mir, warum er jetzt in den Kindergarten müsse. Du hingegen warst schon auf Wolke Sieben. Und hattest große Sorge, dass wir nicht rechtzeitig da sein würden. Für die Traurigkeiten deines kleinen Bruders hattest du nur wenig Verständnis, schließlich bekam er auch eine Schultüte! Zwar nur eine kleine, aber immerhin!


Wunderschönes Geschirrset sowie Einschlungs- und Geschwisterbuch auf ava&yves gefunden ♥

Pünktlich und mit noch sehr viel Zeit zur Verfügung gingen wir in den Pausenhof der Schule, trafen dort deine zukünftigen Klassenkameraden und machten allerhand Fotos. Du  hattest für genau zwei Fotos die Geduld, ruhig zu stehen. Danach musstest du all deinen Aufregung und Energie beim Rennen, Springen, Klettern und Lachen loswerden. Saubere Kleidung wird überbewertet.


Glockenschlag 9 Uhr begann in der Turnhalle die Einschulungszeremonie mit kleiner Ansprache, Sicherheitshinweisen und einem musikalisch untermalten Vortrag der Zweitklässler für die nun neuen Erstklässler. Mit gelben Sicherheitsmützen und unglaublich großen und leuchtetenden Kinderaugen wurde dann ein Gruppenbild aller Erstklässler gemacht bevor es danach in die Klassenzimmer ging. Wie selbstverständlich bist du aufgestanden, als dein Name aufgerufen wurde, hast dich eingereiht und bist, stolz und mächtig groß, mit den anderen Kindern in dein Klassenzimmer gegangen.



Was ihr da gemacht habt, dass weiß ich nicht. Es heißt so oft, mit der Schule beginnt die Zeit, in der man nichts mehr erzählt bekommt als Eltern. Vorbei ist die Zeit mit den Tür- und Angelgesprächen mit Erziehern. Und du selbst hattest deinen Kopf so voll mit all diesen neuen Eindrücken, dass ich getrost noch zwei Wochen warten kann, bis du mir dazu etwas erzählen möchtest. Ich weiß nur, dass du sehr stolz auf deinen Sitzplatz bist. Der erste Platz direkt neben der Tür. Du hast mir ganz aufgeregt gesagt, dass das der beste Platz im Zimmer ist. Da du nun als erster zur Pause kannst. Niemand sonst sitzt so nah an der Tür. Und mein Herz nahm Anlauf für ein oder zwei Purzelbäume. Deine Freude war und ist so ansteckend.

Der darauffolgende Gottestdienst verlief ebenfalls ganz nach deinem Geschmack. Kurz und knackig, mit Gesang und Mitmach-Aktion. So und nur so magst du das.

Als wir im Anschluss im Kindergarten deine Schultüte und den Schulranzen zeigten, nahm dein Herz Anlauf für ein oder zwei Purzelbäume. Du warst so stolz, zeigtest jeden dein Federmäppchen, deine erste Hausaufgabe und die ganzen Fächer deines Schulranzen. Und du teiltest deine Nascherei mit all deinen ehemaligen Kindergartenfreunden. Nun war es amtlich. Mit der geteilten Nascherei besiegelt ein jedes Schulkind den entgültigen Abschied vom Kindergarten. Ein Gefühlschaos. Hauptsächlich bei mir.

Für Mittagessen hattest du wenig Sinn, dafür warst du viel zu aufgeregt. Kaum zu Hause wurde die Schultüte auf Herz und Nieren geprüft. Hier ein "Aaah! Mama! Schau mal!"  und da ein "Papaaa! Hast du das gesehen?!" machten deutlich, wie sehr dir der Inhalt der Schultüte gefiel. Eine rote und gelbe Karte für das nächste Fussballspiel. Ein T-Shirt, Stifte, Malbuch, Leuchtarmband, eine Armbanduhr und allerhand Nascherei. Größtes Glück auf dieser Erde, dass sich da in unserem Wohnzimmer absspielte.
Und auch als wir deinen kleinen Bruder abholten, er seine Geschwisterschultüte bekam und diese im Wohnzimmmer ausbreitete, freutest du dich mit ihm, wie über deine eigene. Zusammen macht das sich freuen einfach mehr Spaß.

Den gesamten Nachmittag verbrachtest du wie auf Watte. Du warst laut, überdreht und aufgeregt. Und glücklich. So glücklich! Auch als wir die erste Hausaufgabe erledigt hatten, konnte man deine Zufriedenheit mit diesem Tag und diesem neuen Lebensabschnitt, mit diesem "Ernst", durch und durch spüren.

Schulkind 2016 - ich wünsche dir von Herzen viel Spaß beim Lernen, beim Freundschaften schließen und beim weiter wachsen!

Mit ganz viel Stolz und etwas Wehmut.

Deine Mama

2016/07/08

Kindergartenübernachtung: Der Tag danach

Nun hätten wir also auch diesen Meilenstein geschafft. Heute morgen, als ich den Miniwusel in den Kindergarten brachte, bekam ich mit Mühe und Not ein kurzes "Hallo Mama!" bevor der große Wusel, sichtlich noch müde, sich weiter im Sandkasten des Kindergartens vergrub. Viel war aus ihm nicht herauszubekommen. Er schien jedoch glücklich und zufrieden. Mein Angebot, ihn mit nach Hause zu nehmen, lehnte er mit einem Nörgeln ab.

Die Kindergartenübernachtung verlief, wie zu erwarten, reibungslos. Es wurde Eis gegessen, Fußball geschaut und tatsächlich auch geschlafen. Trotz Niederlage. Um 6 Uhr morgens war es jedoch mit dem Schlaf vorbei. Eine Tatsache, die mich schmunzeln lässt, denn der große Wusel schläft für gewöhnlich ein bis zwei Stündchen länger. Daher auch die etwas letharge Begrüßung. Hatte ich jedoch auch nicht anders erwartet.



Dennoch beendete ich den heutigen Kindergartentag relativ früh, holte die Wuselzwerge nach der Mittagspause ab und versuchte zu ermitteln, wie nun die Stimmungslage war. Eine liebe Freunden von weit weg war zu Besuch und wir wollten uns gerne zum Spielen treffen. Der Miniwusel war sofort Feuer und Flamme. "Dahin wo es Wasser gibt!" Klare Ansage. Der große Wusel hingegen hatte, ebenfalls wie erwartet, schlechte Laune. Er wolle nicht weg. Er wolle zuerst einen Kuchen backen. Ein Fußballfeld mit Tor. Aber nur einem. Das der Gegner. Auch eine Taktik, wie ich finde. Ich war mäßig begeistert, da ich erstens keine Lust hatte, bei diesem Wetter in der Wohnung zu bleiben und zweitens ich mir wahrlich anderers Vorstellen konnte, als aus dem Nichts heraus ein Fußballfeld zu basteln. Aus Kuchen. Nein.

Mit etwas Überredungskunst gelang es mir, dass der große Wusel mit einem Bob der Baumeister ebenfalls zu frieden wäre, panschte mit ihm den Teig, schob die Backform in den Ofen, richtete alles für den Wasserspielplatz und tatsächlich - wir schafften es zu angemessener Zeit auf dem Spielplatz zu erscheinen. Mit gut gelaunten Kindern und Bob der Baumeister Kuchen inklusive. Ich bin so heldenhaft.

Und während die vier Kinder da so für sich und ohne uns spielten, stellten wir zwei Mütter fest - so groß! So schnell! Unfassbar! Gerade noch... ach man kennt es ja.

Der große Wusel war müde. Wirklich. Aber er war nicht ruhig zu kriegen. Er spielte über eine Stunde mit etwa gleichaltrigen, ihm fremden, Kindern am Wasser, später dann lieferte er sich mit Älteren ein Fußballduell. Ihn so aufgeschlossen, so völlig ohne Berührungsängste zu sehen, dass ist schon ein ganz besonderer Stolz, der sich da in mir auftut.

Ich kann es mir auch einbilden, aber ich finde, er ist gewachsen. Über Nacht. Ein ganzes Stück Selbstbewusster, Selbstständiger und Größer. Innerlich.

Hach. Ich lieb den so, diesen Vorschulbub!

Minensie

2016/04/18

Schule in Sicht!

Nun ist es entschieden. Der große Wuselzwerg wird in diesem Jahr ein Schulkind. Das war ein ziemlich gefühlsreicher Weg bis zu dieser Entscheidung. Letztlich habe ich im Sinne des Wuselzwerges und nicht in meinem Sinne entschieden. Nein. Nicht nur ich. Der Herr von und zu Zwergenpapa hat diese Entscheidung mitgetragen. Dafür bin ich dankbar.

Ich war in den letzten Wochen so hin und her gerissen. Was gebe ich meinem 5 jährigen Wusel mit dieser Entscheidung, was nehme ich ihm? Ich habe Pro und Kontra Listen gemacht, habe ein bisschen gelesen, habe mich umgehört und habe letztlich dann doch aus dem Bauch heraus entschieden.

Eine Woche vor dem sogenannten Schulscreening, hatte ich den Entschluss gefasst: keine Einschulung. Es reicht locker im nächsten Jahr. Mit dem Hintergedanken, dass der große Wuselbub dann ein weiteres Jahr Zeit hat, sich in seiner Bastel- und Bauwelt auszutoben. Denn das ist es, was er hauptsächlich im Kindergarten macht. Er zieht sich zurück und bastelt. Früh meist für sich selbst, Vormittags mit ein paar Freunden, Nachmittags wieder meist für sich selbst. Er schneidet und klebt, baut und konstruiert, dass es eine wahre Freude ist. Daher der Entschluss - kein Schulkind. Da wir schon zum Screening angemeldet waren und der Wuselbub das wusste, haben wir den Termin wahrgenommen. Der Wuselbub verkündete mir am Morgen, er habe keine Lust auf das Screening und ich fühlte mich bestätigt, nahm keine Unterlagen zur Anmeldung in die Schule mit und sprach während des Screenings mit den Anwesenden Müttern. Warum und weshalb. Und dann wurde ich von einer Lehrkraft gebeten zu dem Raum des Screenings zu kommen. Und mein Herz flatterte nervös. Ich dachte im ersten Moment, es sei irgendetwas passiert. Aber dem war nicht so. Zwei der drei anwesenden Lehrer wollten nachfragen, aus welchem Grund ich beim Wuselbub zögere. Ich erklärte meine zwei Kontra-Punkte (Spielzeit und soooo jung) und sie schauten mich an. Sie wollen mich zu keiner Entscheidung drängen. Mir sollte nur klar sein, dass er fit sei. Sehr fit. Ehm ja. Das der Wuselbub in den Dingen gut ist, die er kann, das weiß ich. Das ist mir bewusst. Als mir eine der Lehrkräfte sagte, dass sie nur anmerken möchte, dass ein "ausbremsen" seines Wissensdranges, auch wenn es positiv mit spielen im Kindergarten behaftet ist, die Motivation durchaus senken kann, habe ich so ein kleines Stechen in der Körpermitte verspürt. Denn tatsächlich ist es genau der Punkt, der mich in den vergangenen Wochen so zum verzweifeln brachte. Ich habe den Eindruck, dass ich ihn tatsächlich mit einem weiteren Jahr Kindergarten ausbremse. Das muss grundsätzlich nicht negativ sein. Das ist in den meisten Fällen eher eine Bereicherung. Es fühlte sich jedoch negativ an, wenn ich es in Bezug mit meinem Wuselbub brachte.

Lange Rede, kurzer Sinn. Ich holte die Unterlagen zur Schulanmeldung und meldete den Wuselbub an, bekam einen weiteren Termin zum Testen der Schulreife und war ein bisschen aufgewühlt. Schulreifetests werden eigentlich nur bei Wackelkandidaten gemacht. Ich hatte deswegen nachgehakt. Die Lehrkräfte meinten, es gehe dabei ausnahmsweise nicht um die Schulreife im eigentlich Sinne. Da sind sich alle drei Lehrkräfte einig, dass der Wuselbub da alle Anforderungen entspräche. Es gehe darum, dass man Zeit hätte, sich das Kind einzeln genauer anzuschauen, besser einschätzen zu können und mir meine Zweifel zu nehmen. Das klingt jetzt, als würde es in eine Richtung gepresst, aber nein. Es fühlte sich wirklich nicht an, als wolle mich irgendjemand zu einer Entscheidung drängen. Es verwirrte mich, wie schon erwähnt, aber es drängte mir keiner seine Meinung auf.  Auch wenn ich das gerne gehabt hätte. Es kam mir tatsächlich so vor, als wäre es leichter, würde jemand anderes diese Entscheidung treffen.
Letztlich entschied der Wuselbub. Der hatte mächtig Spaß und fand das, selbstverständlich, aufregend. Beim Schulreifetest hatte er, wie auch beim Schulscreening, am frühen morgen lautstark verkündet, er habe keine Lust auf den Test. Zog sich allerdings schon die Jacke an, als ich durch den Hof gelaufen kam um ihn abzuholen. Er motzte, weil er das Schattentheater nicht mit anschauen konnte, dass gerade aufgebaut wurde, und zeitgleich hüpfte er mir voraus. Richtung Schule.

Der Schulreifetest dauerte länger als das Screening. Ich wurde für eine Stunde meiner selbst überlassen und flüchtete mich in Kaffee und Mohnschnecken-Kauf. Das Bild hatte ich schon (beiFacebook) gezeigt.






Nach dieser Stunde wurde nur kurz mitgeteilt, dass die Tests ausgewertet werden müssen und ich in der nächsten Woche noch einmal zur Besprechung kommen sollte. Da stand ich nun. Und wartete letztlich nicht mehr darauf, was genau bei dem bevorstehenden Termin zur Besprechung herauskommen würde. Der Wuselbub hatte mittlerweile entschieden, Schule ist sein Ding. Da will er hin. Punkt. Aus der Nummer kam ich so oder so nicht mehr heraus. Da hätte ich das gar nicht erst anfangen dürfen, es so zum Thema werden zu lassen. Habe ich aber. Blöd gelaufen.

Die Auswertung des Schulreifetests verlief erwartungsgemäß positiv. Wie gesagt, um zu hören, dass das, was der Wuselbub kann, gut kann, war ich nicht da. Ich zählte noch einmal meine Kontrapunkte auf. Soooo jung und wertvolle Spiele-Bastelzeit im Kindergarten. Die Lehrkräfte gaben ihr Statement ab und ließen mich allein mit meinem Kopf. Und der hatte keine Lust mehr auf dieses Katz' und Maus Spiel. Wenn der Wuselbub unbedingt möchte, dann darf und soll er in die Schule gehen. Mir ist bewusst, dass er durchaus in zwei Wochen keine Lust mehr haben kann. Aber nun denn. Irgendwann muss eine Entscheidung stehen und diese Unsicherheit meinerseits kann so einer kleinen Kinderseele nicht gut tun. Denn, es steht außer Frage, dass der große Wuselbub absolut Startklar für die Schule ist. Daran ist nichts zu rütteln. Auch nicht seine 5 Jahre bei Schulbeginn.

Jetzt heißt es, meine Bequemlichkeiten über Board zu werfen. Urlaub in der Ferienzeit - damit hab ich zum Beispiel in diesem Jahr gar nicht gerechnet. Oder Schulranzen kaufen - das wohl leidigste Thema aktuell. (Wenn jemand dahingehend Tipps hat... immer her damit. Wir liebäugeln mit einem Ergobag Cubo SchlauBär. Und ja, der Wuselbub hängt mir seit Tagen in den Ohren. Wann denn endlich der Schulranzen da wäre. Geduld ist eine Tugend)

Um Himmels Willen. Ich hab dieses Jahr ein Schulkind unterm Weihnachtsbaum!

Letztlich kann ich nur falsch Entscheiden. Habe ich mir so gedacht. Entweder der Wuselbub wird es mir nun auf Ewig übel nehmen, dass ich ihn jetzt schon in die Schule gehen lasse, und er ja noch sooooo jung... quasi der jüngste in der Klasse sei und somit auf Ewig der Kleine sein wird. Oder aber er wird es mir auf Ewig vorhalten, warum ich ihn noch im Kindergarten gelassen habe, wo er doch schon längst mit allem durch sein könnte!

Wir werden sehen. Mein Achterbahnfahrt ist in jedem Fall beendet. Der Bauch sagt ja zur Schule und erinnert mich daran, dass der Wuselbub täglich ab 12 Uhr daheim sein wird  und somit ausreichend Zeit wäre um das eine oder andere fertig zu basteln. Vielleicht hat er bis dahin gar keine Lust mehr zu bauen. Scherz! Ich glaube, diese eine Liebe wird nie zu ende gehen!

Neben Geburtstag des Miniwusels heißt es jetzt also... die Schule naht. Mit großen Schritten.

Bis dahin machen wir weiter. Es gibt immer was zu kleben, zu schneiden oder zu bauen. Yippieh jaja dubidubida. Oder so ähnlich.

Nur gut, dass der Miniwusel kein Kann-Kind ist. Da muss ich nichts entscheiden. Ich bin da einfach nicht gut darin.



Minensie







2016/03/15

Ein weiterer Brief

Mein liebes Kind,

du bist so unglaublich groß geworden. Gerade gestern wurdest du erst auf diese Welt geholt und nun? Nun buchstabierst du, rechnest, willst so unbedingt das Lesen lernen und verblüffst mich mit deiner Auffassungsgabe immer wieder neu. Du bist mein erstes Kind und ich habe keinerlei Vergleich. Doch den brauche ich auch nicht. Du bist perfekt so wie du bist. Seit Monaten wälze ich deswegen die immer gleiche Frage hin und her. Einschlung ja? Nein? Und bleibe permanent am "vielleicht" hängen. Ich bin so unsagbar verunsichert. Ich möchte nichts falsch machen. Ich möchte das Beste für dich. Aber du bist eben mein erstes Kind und ich kann nicht in die Zukunft blicken. Ich habe keine Ahnung, welche Entscheidung die richtige wäre. Ein weiteres Jahr im Kindergarten. Kindsein wie es sich gehört? So liebend gerne! Das neue Jahr mit einem neuen Lebensabschnitt beginnen? Deinem Wissensdurst gerecht werden? Tausendmal Ja!

Seit ich die Bestätigung für dein wachsendes Leben hatte, macht mir das Schulthema Angst. Und ich kann in keinster Weise nachvollziehen warum. Ich selbst bin immer gerne zur Schule gegangen. Ich war immer die Kleinste, egal wie alt ich war. Ich war immer die Neue. Aber ich war immer gerne in der Schule. Ich habe es geliebt, lernen zu dürfen. Neues zu erfahren, neues zu entdecken. Ich habe es geliebt, morgens alleine zur Schule zu laufen, am Kaugummiautomaten vorbei, niemals ohne einen prüfenden Blick in das Auswurffach zu werfen, ob nicht vielleicht doch einer einfach so durchgerutscht ist. Ich hatte Spaß die Bauarbeiter am Morgen zu grüßen und diese eine Oma. Jeden Morgen. Für das gesamte erste Schuljahr. Ich habe es geliebt in die Bücherrei zu können. Bücher durchblättern zu dürfen, Hefte mit Worten füllen zu können. Ich habe es geliebt, Kreide an meinen Fingern zu spüren, meine eigene kleine Schieferntafel zu haben und mit meinem Setzkasten Wörter zu bilden. Ich habe es genossen, jeden Tag meinen Schulranzen für den nächsten Tag vorzubereiten. JEDEN Tag. Die Wochenenden waren da manchmal sehr hinderlich. Ich konnte nie aufhören zu fragen. Bis meine Mama ein Abo für eine Kinderlexikonreihe abschloss. Und ich so vieles hundertfach nachlesen konnte.
Es hat mich nie gestört, immer die Neue zu sein. Meine Mama zog mit meinen Geschwistern und mir so oft um, dass ich es als Kind nicht gezählt habe. Ich habe in der Grundschulzeit 2 mal die Schule gewechselt. In der Hauptschulzeit ebenfalls, bevor ich in der 6. Klasse in eine von Nonnen geführte Schule ging. Ab da waren die Umzüge nicht mehr relevant. Bis zur 10. Klasse hatte ich eine absolute Konstante, auch wenn wir bis dahin weitere 3 mal umzogen. JDas ich bis zur 12. Klasse den Wohnort gleich 3 mal wechselte fiel letztendlich gar nicht mehr ins Gewicht. Doch hat es mich ehrlich nie gestört.
Meine Schulzeit ist mit durchweg positiven Erinnerungen verknüpft. Deswegen verstehe ich wirklich nicht, warum ich schon so lange Angst vor deiner eigenen Schulzeit habe.

Du bist ein aufgeweckter Lausbub. Ein Aufpasser. Ein Ansager. Du weißt genau was du willst. Und du setzt es durch. Du bist mutig. Sehr sogar. Du bist so präsent. Und du bist nicht auf den Mund gefallen. Oder den Kopf. Es gibt keinen plausiblen Grund, dir den Schuleintritt zu verweigern.  Nichtdesto trotz zermarter ich mir das Hirn. Wenn diese eine Entscheidung nicht die richtige, nicht die beste für dich ist, dann habe ich das zu tragen.
Lasse ich dir ein weiteres Kindergartenjahr, könntest du mir das auf ewig krumm nehmen. Dass ich dich klein gehalten hätte. Das ich nicht an dich geglaubt hätte. Lasse ich dich zur Schule gehen, dann könntest du mir dieses ebenso vorwerfen. Zum Beispiel, dass du immer der Jüngste seist. Oder ich dich  damit überfordert hätte.  Hätte, hätte, Fahrradkette. Es ist zum verrückt werden.

Nun lasse ich den kommenden Informationsabend zum Schulbeginn auf mich wirken und warte mit dir das entgültige Schulscreening ab. Vielleicht nimmt mir ja jemand, in diesem Fall die Schule, die Entscheidung ab. Unterm Strich wird sie es. Das Ergebnis des Screenings wird der Stempel für den Entschluss.

Ich hoffe, ich begleite dich im richtigen Tempo. Ich hoffe, ich werde es stets bemerken, in welche Richtung du möchtest.

Du bist perfekt, genau so wie du bist! Und meine Zweifel haben am Ende in keinster Weise etwas mit dir zu tun. Sondern mit meiner eigenen Unsicherheit, dir nicht gerecht werden zu können.

Ich liebe den Weg, den ich mit dir gehe. Ich hoffe, du wirst ihn genauso lieben.

Deine Mama