Nun ist es entschieden. Der große Wuselzwerg wird in diesem Jahr
ein Schulkind. Das war ein ziemlich gefühlsreicher Weg bis zu dieser
Entscheidung. Letztlich habe ich im Sinne des Wuselzwerges und nicht
in meinem Sinne entschieden. Nein. Nicht nur ich. Der Herr von und zu
Zwergenpapa hat diese Entscheidung mitgetragen. Dafür bin ich
dankbar.
Ich war in den letzten Wochen so hin und her gerissen. Was gebe
ich meinem 5 jährigen Wusel mit dieser Entscheidung, was nehme ich
ihm? Ich habe Pro und Kontra Listen gemacht, habe ein bisschen
gelesen, habe mich umgehört und habe letztlich dann doch aus dem
Bauch heraus entschieden.
Eine Woche vor dem sogenannten Schulscreening, hatte ich den
Entschluss gefasst: keine Einschulung. Es reicht locker im nächsten
Jahr. Mit dem Hintergedanken, dass der große Wuselbub dann ein
weiteres Jahr Zeit hat, sich in seiner Bastel- und Bauwelt
auszutoben. Denn das ist es, was er hauptsächlich im Kindergarten
macht. Er zieht sich zurück und bastelt. Früh meist für sich
selbst, Vormittags mit ein paar Freunden, Nachmittags wieder meist
für sich selbst. Er schneidet und klebt, baut und konstruiert, dass
es eine wahre Freude ist. Daher der Entschluss - kein Schulkind. Da
wir schon zum Screening angemeldet waren und der Wuselbub das wusste,
haben wir den Termin wahrgenommen. Der Wuselbub verkündete mir am
Morgen, er habe keine Lust auf das Screening und ich fühlte mich
bestätigt, nahm keine Unterlagen zur Anmeldung in die Schule mit und
sprach während des Screenings mit den Anwesenden Müttern. Warum und
weshalb. Und dann wurde ich von einer Lehrkraft gebeten zu dem Raum
des Screenings zu kommen. Und mein Herz flatterte nervös. Ich dachte
im ersten Moment, es sei irgendetwas passiert. Aber dem war nicht so.
Zwei der drei anwesenden Lehrer wollten nachfragen, aus welchem Grund
ich beim Wuselbub zögere. Ich erklärte meine zwei Kontra-Punkte
(Spielzeit und soooo jung) und sie schauten mich an. Sie wollen mich
zu keiner Entscheidung drängen. Mir sollte nur klar sein, dass er
fit sei. Sehr fit. Ehm ja. Das der Wuselbub in den Dingen gut ist,
die er kann, das weiß ich. Das ist mir bewusst. Als mir eine der
Lehrkräfte sagte, dass sie nur anmerken möchte, dass ein
"ausbremsen" seines Wissensdranges, auch wenn es positiv
mit spielen im Kindergarten behaftet ist, die Motivation durchaus
senken kann, habe ich so ein kleines Stechen in der Körpermitte
verspürt. Denn tatsächlich ist es genau der Punkt, der mich in den
vergangenen Wochen so zum verzweifeln brachte. Ich habe den Eindruck,
dass ich ihn tatsächlich mit einem weiteren Jahr Kindergarten
ausbremse. Das muss grundsätzlich nicht negativ sein. Das ist in den
meisten Fällen eher eine Bereicherung. Es fühlte sich jedoch
negativ an, wenn ich es in Bezug mit meinem Wuselbub brachte.
Lange Rede, kurzer Sinn. Ich holte die Unterlagen zur
Schulanmeldung und meldete den Wuselbub an, bekam einen weiteren
Termin zum Testen der Schulreife und war ein bisschen aufgewühlt.
Schulreifetests werden eigentlich nur bei Wackelkandidaten gemacht.
Ich hatte deswegen nachgehakt. Die Lehrkräfte meinten, es gehe dabei
ausnahmsweise nicht um die Schulreife im eigentlich Sinne. Da sind
sich alle drei Lehrkräfte einig, dass der Wuselbub da alle
Anforderungen entspräche. Es gehe darum, dass man Zeit hätte, sich
das Kind einzeln genauer anzuschauen, besser einschätzen zu können
und mir meine Zweifel zu nehmen. Das klingt jetzt, als würde es in
eine Richtung gepresst, aber nein. Es fühlte sich wirklich nicht an,
als wolle mich irgendjemand zu einer Entscheidung drängen. Es
verwirrte mich, wie schon erwähnt, aber es drängte mir keiner seine
Meinung auf. Auch wenn ich das gerne gehabt hätte. Es kam mir
tatsächlich so vor, als wäre es leichter, würde jemand anderes
diese Entscheidung treffen.
Letztlich entschied der Wuselbub. Der hatte mächtig Spaß und
fand das, selbstverständlich, aufregend. Beim Schulreifetest hatte
er, wie auch beim Schulscreening, am frühen morgen lautstark
verkündet, er habe keine Lust auf den Test. Zog sich allerdings
schon die Jacke an, als ich durch den Hof gelaufen kam um ihn
abzuholen. Er motzte, weil er das Schattentheater nicht mit anschauen
konnte, dass gerade aufgebaut wurde, und zeitgleich hüpfte er mir
voraus. Richtung Schule.
Der Schulreifetest dauerte länger als das Screening. Ich wurde
für eine Stunde meiner selbst überlassen und flüchtete mich in
Kaffee und Mohnschnecken-Kauf. Das Bild hatte ich schon (
beiFacebook) gezeigt.
Nach dieser Stunde wurde nur kurz mitgeteilt, dass die Tests
ausgewertet werden müssen und ich in der nächsten Woche noch einmal
zur Besprechung kommen sollte. Da stand ich nun. Und wartete
letztlich nicht mehr darauf, was genau bei dem bevorstehenden Termin
zur Besprechung herauskommen würde. Der Wuselbub hatte mittlerweile
entschieden, Schule ist sein Ding. Da will er hin. Punkt. Aus der
Nummer kam ich so oder so nicht mehr heraus. Da hätte ich das gar
nicht erst anfangen dürfen, es so zum Thema werden zu lassen. Habe
ich aber. Blöd gelaufen.
Die Auswertung des Schulreifetests verlief erwartungsgemäß
positiv. Wie gesagt, um zu hören, dass das, was der Wuselbub kann,
gut kann, war ich nicht da. Ich zählte noch einmal meine
Kontrapunkte auf. Soooo jung und wertvolle Spiele-Bastelzeit im
Kindergarten. Die Lehrkräfte gaben ihr Statement ab und ließen mich
allein mit meinem Kopf. Und der hatte keine Lust mehr auf dieses
Katz' und Maus Spiel. Wenn der Wuselbub unbedingt möchte, dann darf
und soll er in die Schule gehen. Mir ist bewusst, dass er durchaus in
zwei Wochen keine Lust mehr haben kann. Aber nun denn. Irgendwann
muss eine Entscheidung stehen und diese Unsicherheit meinerseits kann
so einer kleinen Kinderseele nicht gut tun. Denn, es steht außer
Frage, dass der große Wuselbub absolut Startklar für die Schule
ist. Daran ist nichts zu rütteln. Auch nicht seine 5 Jahre bei
Schulbeginn.
Jetzt heißt es, meine Bequemlichkeiten über Board zu werfen.
Urlaub in der Ferienzeit - damit hab ich zum Beispiel in diesem Jahr
gar nicht gerechnet. Oder Schulranzen kaufen - das wohl leidigste
Thema aktuell. (Wenn jemand dahingehend Tipps hat... immer her damit. Wir
liebäugeln mit einem Ergobag Cubo SchlauBär. Und ja, der Wuselbub
hängt mir seit Tagen in den Ohren. Wann denn endlich der Schulranzen
da wäre. Geduld ist eine Tugend)
Um Himmels Willen. Ich hab dieses Jahr ein Schulkind unterm
Weihnachtsbaum!
Letztlich kann ich nur falsch Entscheiden. Habe ich mir so
gedacht. Entweder der Wuselbub wird es mir nun auf Ewig übel nehmen,
dass ich ihn jetzt schon in die Schule gehen lasse, und er ja
noch sooooo jung... quasi der jüngste in der Klasse sei und somit
auf Ewig der Kleine sein wird. Oder aber er wird es mir auf Ewig
vorhalten, warum ich ihn noch im Kindergarten gelassen habe, wo er
doch schon längst mit allem durch sein könnte!
Wir werden sehen. Mein Achterbahnfahrt ist in jedem Fall beendet.
Der Bauch sagt
ja zur Schule und erinnert mich daran, dass der
Wuselbub täglich ab 12 Uhr daheim sein wird und somit
ausreichend Zeit wäre um das eine oder andere fertig zu basteln.
Vielleicht hat er bis dahin gar keine Lust mehr zu bauen. Scherz! Ich
glaube, diese eine Liebe wird nie zu ende gehen!
Neben Geburtstag des Miniwusels heißt es jetzt also... die Schule
naht. Mit großen Schritten.
Bis dahin machen wir weiter. Es gibt immer was zu kleben, zu
schneiden oder zu bauen. Yippieh jaja dubidubida. Oder so ähnlich.
Nur gut, dass der Miniwusel kein Kann-Kind ist. Da muss ich nichts
entscheiden. Ich bin da einfach nicht gut darin.
Minensie