2016/04/25

Altenpflege - mehr als das!

An manchen Tagen raubt mir meine Arbeit sämtliche Energie. Heute war so ein Tag. Nicht die Tätigkeiten an sich sind es, die mich Kraft kosten. Es sind fast immer die emotionalen Faktoren. Ich begleite Menschen. Seit über 10 Jahren. Mit Pause und aktuell nur in Teilzeit. Dennoch. Ich begleite Menschen. Keine Patienten. Keine Nummern. Menschen. Welche mit unglaublichen Geschichten. Welche mit unglaublich viel Herz und Sinn für Humor. Ich wecke sie früh morgens, wähle den Deo-Roller statt des Deo Sprays. Ich benutze den Kamm statt der Bürste, obwohl die Bürste sicherlich effektiver wäre. Ich wähle die "Nivea" Creme, statt Tagescreme für das Gesicht. Weil diejenigen, die ich so früh morgens wecke, es zum Teil seit über 70 Jahren so gewohnt sind. Das Hinterfrage ich nicht. An diesen Tätigkeiten optimiere ich mein Arbeitstempo nicht. Ich begleite Menschen. Ich darf Teil ihres Lebens sein. Der letzten Jahre, der letzten Wochen. Und letztlich oftmals der letzten Tage.

Ich bin dankbar, das mich diese Arbeit gefunden hat. Wirklich. Es ist nicht nur ein Beruf. Tatsächlich fühlt es sich so an, als wäre es meine Berufung. Es ist in jedem Fall nicht einfach nur eine Arbeit. Es ist leben. Auf den letzten Schritten. Es ist ein Geschenk, jemanden so nah sein zu dürfen. Es erfüllt mich und macht mich glücklich, wenn ich jemanden ein Lächeln entlocken kann. Gerade an Tagen, an denen alles gegen die Wand fährt. Wenn beim Duschen die Duschhaube verrutscht ist, der Lieblingsbezug noch in der Wäscherei ist oder der verflixte Verband nicht halten möchte. Ganz genau an solchen Tagen ist es das Größte, wenn man am Ende doch darüber lacht. Gemeinsam. Denn ich bin nicht nur die Schwester, die kommt und versorgt. Ich bin ein Teil ihres Lebens. Für ein paar Stunden. Ein paar Tage im Monat.

Genau deswegen gibt es auch Tage, an denen ich erschöpft bin. Emotional ausgelaugt. So wie heute. Wenn man binnen weniger Stunden zwischen Hoffnung und Verzweiflung hin und her geistert. Wenn man nicht gehen will, weil man nicht alleine lassen möchte. Wenn man gemeinsam weint und an den Tatsachen für einen Moment zerbricht. Ja. Genau dann bin ich ziemlich leer.

Dieser Zustand ist nicht schlimm. Dieser Zustand ist das mindeste, was man einen Menschen schuldig ist, wenn man mit ihm lebt. Man darf wütend sein. Auf diese Tatsachen. Man darf weinen. Man darf verzweifelt sein. Man darf sich machtlos fühlen. Menschlichkeit darf niemals an der Professionalität scheitern. Nicht in meinem Berufsfeld. Niemals.

Heute war ein anstrengender Tag. Es werden noch viele weitere Folgen. Und nicht desto trotz sage ich aus tiefstem Herzen:

"Danke, dass ich Sie begleiten darf!"

 Müde.

Minensie

2016/04/24

#denkst.net - ein grandioser Tag mit grandiosen Leuten

Nun ist sie wieder vorbei. Die denkst 2016. Was für ein aufregender Tag! Ich bin immer noch völlig geflasht. So viele Menschen! So viele tolle Vorträge! Wahnsinn! Ich bin so dankbar, dass mich meine liebe Nadine zur richtigen Zeit mit den richtigen "Worten" köderte, sodass ich auf diesen Zug aufsprang.

Was Sven von Zwillingswelten und Suse von ichlebejetzt1 da auf die Beine gestellt haben, war und ist einfach der Wahnsinn. Naja gut. Ich mag das vielleicht nicht so recht beurteilen können, schließlich war das heute meine erste Veranstaltung dieser Art. Dennoch. Mein Kopf hört gar nicht auf zu rotieren. Vor lauter schauen und Informationen in mich aufsaugen bin ich auch gar nicht wirklich zum fotografieren oder ähnlichem gekommen. Ich bin da einfach nicht so Multitasking. Ehm.

Die #denkst war die erste Bloggerkonferenz in Franken, die sich an Familien und Elternblogger wendete. Eine Zusammenkunft aller, die sich rund um das Thema Familienbloggen informieren und austauschen wollten. Gepaart mit einer wundervollen Kinderbetreuung, Freigetränken und Verpflegung war das einfach - WOW! 

Ich hatte zunächst überlegt mit dem Auto zu fahren und bin heute, nach einem Tag voller Informationen und Stimmengewirr, dankbar, dass ich mich doch zum Zugfahren überzeugen ließ. Niemals hätte ich den Kopf für eine Heimfahrt mit dem Auto frei gehabt. Geschweige denn Kinder, die die Autofahrt ohne Einschlafen überstehen. 17:50 Uhr, die Kinder schlafen in den Kindersitzen und nur Eltern wissen um die Tragik hinter dieser Information. Nein nein. So war das mit dem Zugfahren wirklich entspannt und schlichtweg die beste Lösung.

 Startklar - damit auch ja nichts daneben geht!


Auf der denkst selbst habe ich vor allem eins - sehr viel gehört und sehr viel gesehen. Ich bin immer noch völlig überwältigt über das Ausmaß, dass ein Blog heute haben kann. An sich keine neue Erkenntnis, aber dennoch hat mich das immer wieder erstaunt. 


Es gab allerhand zu entdecken. Zum einen, was es mit der eigenen Handschrift auf sich hat. Bei mir vor allem die Erkenntnis, dass ich keine Schreibschrift mehr kann. Zumindest nicht locker aus dem Handgelenk. Sowas aber auch. Nach der lustigen und netten Schreibanalyse der Firma Stabilo ging es für mich auch direkt zum ersten Vortrag.



Christine Finke von Mama_arbeitet kannte ich, jedoch nur so am Rande. Ihr Vortrag "Wie mache ich eine Welle im Internet!" war nicht nur unterhaltsam sondern auch wirklich informativ. Ich verstand, gerade bei den ganzen Statistik-Dingen nur einen Bruchteil, aber lachen konnte ich dennoch an den richtigen Stellen und ich meine verstanden zu haben worauf es beim Erfolg eines Beitrages ankommt. Timing. Glück und Zeit. Nicht alles hat man in der Hand. Und Bilder. Blogeinträge ohne Bilder kann sich eigentlich nur Patricia Cammarata von dasnuf erlauben. Jep! Informative und unterhaltsame 30 Minuten über ein Thema, über das man auch einmal nachgedacht haben sollte. Schließlich muss man abschätzen können, ob man auf so einer Welle noch elegant mitreiten kann oder überrollt wird davon. Und ganz nebenbei habe ich nun einiges nachzuholen und lese und stöbere bei der wundervollen Christine Finke. 

Die zweite "Neuentdeckung" für mich gab es dann auch gleich beim Bento-Workshop. Anna Luz de Leon aka Berlin Mitte Mom und Rebecca Lina von Laenael by Elfenkindberlin zeigten auf erfrischende Art und Weise, wie man mit einfachen Dingen Lunchboxen für Kinder wunderschön befüllen kann. Auch hier muss ich gestehen. Ich kannte BerlinMitteMom vom nur vom Hörensagen und Elfenkindberlin hatte ich vor einigen Wochen per Zufall bei Instagram gesehen. Lunchboxdiary - unter dessen Namen sie den Bento-Workshop abhielten, kannte ich bis dato gar nicht. Das muss ich nun ebenfalls nachholen! Dringend! Es gibt viel zu sehen! Und wahnsinnig tolle Kleinigkeiten für zu Hause ♥


Bei einem Vortrag von Eltern fühlte ich mich anfangs sehr Fehl am Platz. So ging es da hauptsächlich um Blogs, die auch wirklich was sind. Da wurde mit Begrifflichkeiten um sich geworfen, denen ich nur mit hochgezogener Braue ausweichen konnte. Wie gesagt - Blogs sind anders als vor 10 Jahren. Ich bin da einfach stecken geblieben. Allerdings fand ich vor allem die kritischen Aspekte von Rebecca Lina hoch interessant. Allein um nun mehr zu "wissen" hat sich dieser Vortrag letztendlich doch gelohnt. 

Und danach wurde der Beamer freigegeben für Anna Luz de Leon und mit ihrem Vortrag #nureinmamablog wurden wunderbare Denkanstöße vorgelegt. Dieser Vortrag war nicht nur witzig, er war vor allem informativ und ein bisschen wachrüttelnd. Das kann ich gar nicht so in Worte fassen, aber es war einfach rundum gut abgestimmt. Informationen auf den Punkt genau dosiert und auf so charmante und echte Art und Weise an das Publikum gebracht, sodass ich wirklich sehr glücklich war, doch in diesem Raum geblieben zu sein.


 Zeitgleich fand ein Vortrag von Lego statt, in dem es über das Spielen und den Fähigkeiten ging, die Kinder beim Spielen entwickeln. Ich kam leider etwas zu spät dazu und bekam nur noch den Schluss mit. Allerdings war dieser sehr informativ und rundum schön. Das war auch tatsächlich der einzige Vortrag einer Firma, bei der ich nicht das Gefühl hatte, das mir ein Produkt verkauft werden will. Sondern das es da tatsächlich um Kinder geht. Außerdem war nach diesem Vortrag klar - ich kann alles, nur nicht zuhören. Unter Anleitung hab ich ein ziemlich verkorkstes Flugzeug gebaut. Aber nun denn. Das hat wirklich Spaß gemacht.

Beim Story-Telling von Silke R. Plagge erfuhr ich ebenfalls ein paar weitere Anregungen. Besonders sympathisch - es wurde der Einzelne gehört, trotz Zeitdruck! Ich glaube, so ein richtiger Workshop würde bei Frau Plagge wirklich Spaß machen. Auch persönliches Feedback wurde angeboten. Das finde ich immer noch besonders toll! ♥

Nach dem Vortrag von Silke R. Plagge wurden alle Trennwände der anderen Vortragsräume geöffnet und der Beamer an Patricia Cammarata aka dasnuf freigegeben. Sehr interessantes Thema: Kinderfotos gehören ins Netz! #privatheit von Familienblogs. Sehr tolle Denkanstöße. Keine Neuerfindung des Rades aber schlichtweg ein sich-bewusst-machen und für sich entscheiden. Vor allem aber - seine Entscheidung nicht über die Entscheidung anderer stellen. Der Aussage, dass Kinder zum Alltag gehören und die Gesellschaft Kinder ertragen kann/muss/soll, die Laut sind, der  stimme ich voll und ganz zu. Für mich selbst ändert sich bezüglich Bilder nichts. Ich habe da meine Entscheidung getroffen und bleibe ihr treu. Auch den Umkehrschluss das Texte genauso mit Bedacht zu wählen sind, fand ich großartig! Denn da bin ich ganz bei Patricia - Texte sind umschriebene Bilder. Privatheit muss jeder für sich selbst finden. Es schadet niemanden sich und seine Bewegungen im Internet immer wieder mal zu hinterfragen. Mit Verstand Liken und Teilen gehört da ebenso zur Privatheit - auch das hat Patricia Cammarata wunderbar in ihren Vortrag aufgegriffen. 
Rundum gelungen, mit Basteleinlagen und einer Frau Nuf, die ich auch tatsächlich sofort ohne Snapchatfilter erkannt habe.

Respekt - das Zauberwort für so vieles an diesem Tag!


Zu guter Letzt habe ich tatsächlich ganz gegen meine Natur um ein Foto mit mir und Menschen darauf gebeten. Und zwar von der einzigartigen Tollabea. Da kam ich einfach nicht drumrum. Ihren Vortrag hatte ich leider verpasst. Mit sehr viel leider! Dafür eben mit Foto.


 Es war - und hier wiederhole ich mich - ein grandioser Tag. Ich danke den Veranstaltern für diese Gelegenheit! Das schreit nach Wiederholung! Bis dahin habe ich auch sicherlich eine andere Lösung für den Transport dieser wahnsinng vielen Geschenke! Die Goodie-Bag war das reinste Weihnachtsfest! Da nehm ich den defekten Trolley gern hin.


Und nun - husch husch ins Bettchen. Von Wellen und Sandwich-Pandas träumen :D

Minensie

P.S. Ich habe heute gelernt, Links erst am Ende zu setzen. Das mach ich dann hiermit auch. Noch nicht in ganz so schick verpackt aber nun denn :D

► Sven Trautwein von @Zwillingswelten: http://www.zwillingswelten.de/   
►Susanne von @ichlebejetzt1: http://ichlebejetzt.com/
►Nadine Luck von @Mama_und_die_Matschhose: http://mama-und-die-matschhose.de
►Christine Finke von @Mama_arbeitet: http://mama-arbeitet.de/
►Anna Luz de Leo von @BerlinMitteMom: http://berlinmittemom.com // http://lunchboxdiary.com/
►Rebecca Lina von @Laeneal by Elfenkindberlin:http://www.elfenkindberlin.de/ //  http://lunchboxdiary.com/
►@Silke R. Plagge: http://silke-plagge.de/
►Patricia Cammarata von @dasnuf: http://dasnuf.de/ -> der Vortrag ist auch hier direkt zu finden: http://dasnuf.de/ueber-die-privatheit-von-familienblogs/
►Bèa Beste von @Tollabea: http://www.tollabea.de/

2016/04/23

Los geht's zur #denkst16 !

Uuuuh. Nach langem Warten ist es heute endlich so weit. In 3 Stunden beginnt die denkst! in Nürnberg! Die erste Familienbloggerkonferenz in Franken.

Ich bin ein bisschen aufgeregt. Ich habe keine Ahnung was mich dort erwartet. Ich weiß auch gar nicht mehr, warum ich da so unbedingt hinwollte. Das stimmt nicht. Ich weiß es genau. Um Bloggrößen wie Bèa Beste von Tollabea.de oder auch Patricia Cammarata aka Das Nuf zu hören. Bei Das Nuf werde ich immer etwas nostalgisch. Vor 10 Jahren oder mehr, gehörte ihr Blog mit zu den ersten, die ich regelmäßig las. Neben DonDahlmann und dem BlogBistro. Bèa Beste fasziniert mich, nicht nur wegen der einst so wunderbaren TollaBox, der wir bis heute sehr nachtrauern. Hach.

Und dann bemerkt man so am Rande, das da lauter wunderbare Blogger dabei sind! Mama Notes oder  Beauty Mami oder oder oder! Mama arbeitet ist ebenfalls Speaker. Oh, das ist wirklich völlig neues Land für mich. Aber nun denn. Der Tag in Nürnberg heute ist auch zeitgleich mein einzig freier Samstag :D Somit: Let's Fetz!

Die Woche war bisher so unterm Strich eigentlich sehr produktiv. Wenn man mal von der Runde Selbstmitleid abssieht, die mich die Tage packte.

Anfang der Woche war zum Beispiel mein Lieblingsmensch zu Besuch, um im Kindergarten der Wuselzwerge den Beruf der Friseurin näher zu zeigen. Der große Wusel bekam nen coolen Sidecut, andere bunte Strähnchen. Was für eine Aufregung und was für ein Spaß. Danach ging es Essen und ein bisschen Bummeln. Nachmittags holte ich dann mit den Wuselzwergen ein Paket ab und freute mich wie Bolle, als ich es öffnete. Ich hatte es tatsächlich noch rechtzeitig geschafft, Visitenkarten machen zu lassen und ich bin schwer verliebt. Auch hier - keine Ahnung ob ich das je brauche, aber nun hab ich sie eben :D



Die Einladungen zum Geburtstag des Miniwusels wurden auch fertig und der Mann meinte nur: "Mit denen machst du dich unbeliebt! Aber sie sind genial!"



Nun denn. Das Risiko geh ich ein. Wenn ich noch Zeit finde, der Geburtstag rückt ja immer näher, zeig ich sie noch einmal im Detail.

Außerdem schaffte ich einiges im Garten meiner Mutter. Er ist fast fertig, das erste ist gesäht und nun heißt es abwarten. Und Tee trinken. Oder Kaffee. Oder Eistee. Es war ja einige Tage hier richtig warm.



An einem dieser warmen Tage waren wir auf unserem geliebten Erba-Insel-Spielplatz. Und ja, auch im Wasser. Miniwusel war nicht mehr zu bremsen. Einmal komplett umziehen inklusive, weil er ausgerutscht war und somit noch mehr Wasser abbekam als er eigentlich wollte. Die Wuselzwerge waren hin und weg. Darüber, dass sie krank werden könnten aufgrund der eiseskälte des Wasser, darüber denke ich nicht nach. Nein nein. Leider hab ich kein einziges Foto gemacht weil ich zu sehr damit beschäftigt war, Spaß zu haben. Hm. Schade. Es wären tolle Bilder geworden!

Wieder daheim, bauten wir eine ziemlich coolen Drachen aus PlayMais. Witziges Zeug. Bisher hatte ich den Wuselzwergen nur zugeschaut, wenn sie damit bauten. Diesmal durfte (musste) ich mitmachen. Was ein Spaß! Was für ein geklebe!



Irgendwo dazwischen kam dann der Rappel. Das Selbstmitleid. Aber keine Sorge, es ist schon längst überwunden. Mit Hilfe einer Sau-coolen Aufsicht, wollte ich dann das Wohnzimmer von allem unnötigen befreien. War gar nicht nötig, musste nur alles an seinen Platz. Dann gings schon wieder. Tja.



Der Miniwusel übte gestern auf jeden fall schon einmal, wie das so ist, überall schlafen zu können. Er schlief mir während ich kochte auf dem Stuhl im Wohnzimmer ein. Herrlich!




Und nun? Nun überlege ich, was ich anziehen könnte, was ich alles brauche, wecke die Miniwusel, flitze durch die Wohnung und bin (hab ich das schon erwähnt?) aufgeregt! Ganz bald geht es zum Zug und dann geht es los :D Yeah!

Auf einen tollen Tag mit tollen Leuten!

Minensie


2016/04/21

Ganz ohne Filter.

Es ist 1:38 Uhr und ich sitze mit der einen Po-Hälfte auf der abgerutschten Bergspitze des Wäscheberges. Und ich könnte heulen. Nein. Nicht weinen. Heulen! Rotz und Wasser!


 Es ist 1:38 Uhr und der Haushalt ist nicht im geringsten gemacht. Und das, obwohl ich quasi Vorzeigekinder beim Thema einschlafen und durchschlafen habe. Meine Sofadecke hat ein Loch, die Regal passen nicht zusammen und ich habe immernoch keinen Schreibtisch, an dem ich mich wohl fühle.


 Ich kann das einfach  nicht. Haushalt tipptopp, Kinder tipptopp, innere Ausgeglichenheit ganz schwubidu und gesellschaftlich auch vorne mit dabei - das ist, so ziehe ich nach knapp 5,5 Jahren Mutterdasein Bilanz, einfach nicht mein Ding. Zeitmanagement ist nicht mein Freund. Chaos ein Dauergast. Was ich mir nur dachte, wie das mal alles zu wuppen sei. Wie blauäugig ich doch war und was für eine Ehrfurcht ich mittlerweile für das Schaffen meiner alleinerziehenden Mutter entwickelt habe. Wie sie das nur gewuppt hat. Mit drei Kindern. Und ich heule weiter.


 Social Media ist Fluch und Segen. Tagtäglich verliebe ich mich auf Instagram in wunderschöne "Interior"  und "Familienglück" Bilder in pastell und Gingham. Tagtäglich huscht da ein Lächeln über meine Lippen und ich freue mich, wie schön es andere haben. Und dann hebe ich meinen Blick, lasse ihn nur ganz knapp über all die Unordnung, das Vollgestopfte und unbesiegbare Chaos hier schweifen und seufze innerlich tief. Nein. Hier ist es definitiv nicht so schön und pastellig. Filter machen die Welt zwar schöner, aber mein Chaos verschwindet dadurch nicht. Und diese 78qm werden dadurch einfach nicht übersichtlicher oder geräumiger.


Ich versuche seit Jahren mich damit abzufinden, dass ich niemals so eine akribische Hausfrau sein werde. Ich mag es, wenn es fast bis zum Platzen vollgestopft ist, nur um es dann in einem Anflug von Wahn picobello aufzuräumen. Schon immer. Ich staple gerne hohe Türme aus Altpapier, Briefen, Zeitschriften, Unterlagen und freue mich um so mehr, wenn ich sie dann in einer durch-zechten Nacht bezwungen habe. Jedes mal sage ich mir ,Diesmal nicht! Diesmal räumst du es gleich auf und wartest nicht wieder bis zum nächsten Nervenzusammenbruch!' und tue es dann doch. Ich warte so lange, bis ich fast nicht mehr atmen kann vor lauter Druck. Damit kann ich grundsätzlich umgehen. Der Haken an der Sache: Ich habe mittlerweile zwei Kinder und gelte als Erwachsen. Durchzechte Nächte sind kräftezehrender denn je und ich büße sie über Wochen. Ich habe neben meinem sichtbaren Chaos zwei wundervolle Kinder, denen ich wesentlich mehr Zeit schenke, als ich es je für den Haushalt aufbringen wollen würde. Lieber basteln wir auf einen ungeordneten Tisch voller Kram oder schieben Zeug am Boden zur Seite um dort Vulkanberge oder Raumschiffe zu bauen. Das ist zu 80% auch wirklich in Ordnung, diese Unordnung. 

Und dann kommt der Rappel, die Wut auf sich selbst, das Unverständnis, wie es andere offenkundig besser hinbekommen und letztlich ist da dann auch Neid auf so ein Pastell-Leben. Was um so aberwitziger erscheint, weil mir vollkommen klar ist, dass ich andere Leben nur als Ausschnitt miterlebe. Immer und immer wieder nur Momentaufnahmen. Ich weiß das. Und trotzdem falle ich unter dieser Erkenntnis in mir zusammen. 

Ich bin Mutter zweier wundervoller Kinder. Ich bin nicht gut. Ich bin nicht schlecht. Diese Wertung und dieses kategorisieren mag ich nicht. Ich bin Mutter. Punkt. Ich sehe meine Kinder gerne Lachen. Ich sehe meine Kinder gerne wachsen. Die Welt entdecken. Ich sehe aber auch mehr. Gefährliches, Dinge, die sich nicht gehören und Dinge die mir nicht gefallen. Ich habe keine Patentlösung für jedes Problem. Ich kenne keine Strategie, um nicht zu schimpfen. Ich kenne Jesper Juul nur vom Namen, habe jedoch noch nie eine Zeile von ihm gelesen. Genauso wenig wie ich sonst irgendwelche Kinder-Ratgeber kenne. Die einzigen Ratgeber, die ich gelesen habe waren Baby-Ratgeber. Über das Schlafverhalten von Babys, über Schübe. Danach habe ich aufgehört mich als Mutter weiterzubilden. Seitdem mache ich das aus dem Bauch heraus. Und das ist nicht immer gut. Das ist ebenso ein Fakt. Aus dem Bauch heraus Laut zu werden fühlt sich vom Verstand her falsch an. Ist es auch. Der Bauch gewinnt dennoch. Immer wieder mal. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass man zum Elterndasein eigentlich eine Grundausbildung in Psychologie und Verhaltensforschung hätte absolvieren sollen. Ich dachte sehr lange, Bauchgefühl reicht völlig aus. Aber mein Bauchgefühl macht mich im Erziehungsstil nicht rundum glücklich. Außerdem kommt es mir so vor, als hätte ich immer wieder mal eine Magenverstimmung. Sodass ich das eine oder andere Bauchgefühl überhaupt nicht zuordnen kann. Am Ende ist dann einfach alles falsch. Womit wir wieder beim Rappel wären. Wut auf mich selbst, das Unverständnis, wie es andere offenkundig besser hinbekommen und letztlich der Neid. Auf dieses Funktionieren bei anderen. Ich bin nicht gut darin, Dinge falsch zu machen. Dabei mache ich vieles Falsch. Sehr vieles sogar. Das macht mich nicht nur äußerlich klein. Das macht mir vor allem das Herz so schwer. 

Folglich bin ich auch nicht gut darin, mich um mich selbst zu kümmern. Ich gehe nicht aufs Klo, wenn ich dringend müsste, solange anderes erledigt werden muss. Ich trinke viel zu wenig, schon immer, weil es mir einfach nicht wichtig ist, meinen Körper mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen. Ich esse sehr vieles Ungesundes. Genau aus dem gleichen Grund. Dabei ist es mir bei meiner Familie das höchste Gut für genau das zu sorgen. Qualitativ hochwertige Nahrungsmittel. Es kümmert mich nicht, ob meine Haare gut sitzen, ob ich geschminkt bin, ob die Kleidung, die ich trage, anderen gefällt. Es stört mich nicht, wenn ich anderen nicht gefallen könnte. Aber es stört mich, dass ich mir selbst nicht so viel wert bin, um mir zu gefallen. Denn ich bin ein Genussmensch in jeder Hinsicht. Ich erfreue mich an allem, was schön ist. Ob Essen, ob Materielles, ob Gesten, ob Zwischenmenschliches. Nur kann ich mich selbst einfach nicht genießen. Ich bin mir dessen bewusst, dass das ziemlich kläglich ist. Ich gebe aber auch nicht die Hoffnung auf, mich irgendwann ich mich selbst zu verlieben. Oder wenigstens ein bisschen zu verguggen. Schließlich muss ich mit mir die meiste Zeit meines Lebens verbringen. Einengender Gedanke. Irgendwie.

Gesellschaftlich hab ich mich aktuell beim Spagat verrenkt. Arbeit und Familie sind große Herausforderungen für mich. Ich gebe ungern weniger als 100% und fühle mich durch die Arbeit, oder durch die Familie - je nachdem von welcher Seite man es betrachtet - dazu gezwungen unter 100% zu gehen. Ich kann es niemandem recht machen. Dem Arbeitgeber nicht, der gerne mehr Flexibilität hätte, der Familie nicht, die gerne mehr Familienzeit hätte. Ich schaffe es nicht, eine Routine zwischen Arbeit und Familie hineinzubringen. Und ich habe absolut keine Ahnung, wie das andere machen. Ich arbeite gerade mal popelige 65 Stunden im Monat und bin völlig überfordert, dass alles unter einen Hut zu bekommen. Womit wir wieder beim Rappel wären... 

Hallo Welt, du bist ganz schön verdreht. 

Und wenn ich mich dann Nachts aus geheult habe. Mir der Kopf pocht, die Augen brennen. Dann tapsen am nächsten Morgen zwei Paar kleine nackte Füße über das Linoleum und huschen über den Teppich zu mir aufs Sofa, geben mir ein Schmollmund und eine Zuckerschnute einen dicken, nassen Kuss, bevorzugt auf die Brille, und schauen mich vier neugierige Augen, noch etwas verschlafen, an und flüstern zwei kleine piepsige Stimmen: "Mama? Ich hab dich soooo lieb!"

Ausgeheult mit pochendem Kopf komme ich letztlich immer wieder zu dem Entschluss: Ich liebe nicht mich, aber ich liebe mein Leben. Wenn es drei von vier Personen in diesem Haushalt schaffen, über all dem hier zu stehen, dann ist das alles nur in meinem Kopf.



Minensie

2016/04/18

Schule in Sicht!

Nun ist es entschieden. Der große Wuselzwerg wird in diesem Jahr ein Schulkind. Das war ein ziemlich gefühlsreicher Weg bis zu dieser Entscheidung. Letztlich habe ich im Sinne des Wuselzwerges und nicht in meinem Sinne entschieden. Nein. Nicht nur ich. Der Herr von und zu Zwergenpapa hat diese Entscheidung mitgetragen. Dafür bin ich dankbar.

Ich war in den letzten Wochen so hin und her gerissen. Was gebe ich meinem 5 jährigen Wusel mit dieser Entscheidung, was nehme ich ihm? Ich habe Pro und Kontra Listen gemacht, habe ein bisschen gelesen, habe mich umgehört und habe letztlich dann doch aus dem Bauch heraus entschieden.

Eine Woche vor dem sogenannten Schulscreening, hatte ich den Entschluss gefasst: keine Einschulung. Es reicht locker im nächsten Jahr. Mit dem Hintergedanken, dass der große Wuselbub dann ein weiteres Jahr Zeit hat, sich in seiner Bastel- und Bauwelt auszutoben. Denn das ist es, was er hauptsächlich im Kindergarten macht. Er zieht sich zurück und bastelt. Früh meist für sich selbst, Vormittags mit ein paar Freunden, Nachmittags wieder meist für sich selbst. Er schneidet und klebt, baut und konstruiert, dass es eine wahre Freude ist. Daher der Entschluss - kein Schulkind. Da wir schon zum Screening angemeldet waren und der Wuselbub das wusste, haben wir den Termin wahrgenommen. Der Wuselbub verkündete mir am Morgen, er habe keine Lust auf das Screening und ich fühlte mich bestätigt, nahm keine Unterlagen zur Anmeldung in die Schule mit und sprach während des Screenings mit den Anwesenden Müttern. Warum und weshalb. Und dann wurde ich von einer Lehrkraft gebeten zu dem Raum des Screenings zu kommen. Und mein Herz flatterte nervös. Ich dachte im ersten Moment, es sei irgendetwas passiert. Aber dem war nicht so. Zwei der drei anwesenden Lehrer wollten nachfragen, aus welchem Grund ich beim Wuselbub zögere. Ich erklärte meine zwei Kontra-Punkte (Spielzeit und soooo jung) und sie schauten mich an. Sie wollen mich zu keiner Entscheidung drängen. Mir sollte nur klar sein, dass er fit sei. Sehr fit. Ehm ja. Das der Wuselbub in den Dingen gut ist, die er kann, das weiß ich. Das ist mir bewusst. Als mir eine der Lehrkräfte sagte, dass sie nur anmerken möchte, dass ein "ausbremsen" seines Wissensdranges, auch wenn es positiv mit spielen im Kindergarten behaftet ist, die Motivation durchaus senken kann, habe ich so ein kleines Stechen in der Körpermitte verspürt. Denn tatsächlich ist es genau der Punkt, der mich in den vergangenen Wochen so zum verzweifeln brachte. Ich habe den Eindruck, dass ich ihn tatsächlich mit einem weiteren Jahr Kindergarten ausbremse. Das muss grundsätzlich nicht negativ sein. Das ist in den meisten Fällen eher eine Bereicherung. Es fühlte sich jedoch negativ an, wenn ich es in Bezug mit meinem Wuselbub brachte.

Lange Rede, kurzer Sinn. Ich holte die Unterlagen zur Schulanmeldung und meldete den Wuselbub an, bekam einen weiteren Termin zum Testen der Schulreife und war ein bisschen aufgewühlt. Schulreifetests werden eigentlich nur bei Wackelkandidaten gemacht. Ich hatte deswegen nachgehakt. Die Lehrkräfte meinten, es gehe dabei ausnahmsweise nicht um die Schulreife im eigentlich Sinne. Da sind sich alle drei Lehrkräfte einig, dass der Wuselbub da alle Anforderungen entspräche. Es gehe darum, dass man Zeit hätte, sich das Kind einzeln genauer anzuschauen, besser einschätzen zu können und mir meine Zweifel zu nehmen. Das klingt jetzt, als würde es in eine Richtung gepresst, aber nein. Es fühlte sich wirklich nicht an, als wolle mich irgendjemand zu einer Entscheidung drängen. Es verwirrte mich, wie schon erwähnt, aber es drängte mir keiner seine Meinung auf.  Auch wenn ich das gerne gehabt hätte. Es kam mir tatsächlich so vor, als wäre es leichter, würde jemand anderes diese Entscheidung treffen.
Letztlich entschied der Wuselbub. Der hatte mächtig Spaß und fand das, selbstverständlich, aufregend. Beim Schulreifetest hatte er, wie auch beim Schulscreening, am frühen morgen lautstark verkündet, er habe keine Lust auf den Test. Zog sich allerdings schon die Jacke an, als ich durch den Hof gelaufen kam um ihn abzuholen. Er motzte, weil er das Schattentheater nicht mit anschauen konnte, dass gerade aufgebaut wurde, und zeitgleich hüpfte er mir voraus. Richtung Schule.

Der Schulreifetest dauerte länger als das Screening. Ich wurde für eine Stunde meiner selbst überlassen und flüchtete mich in Kaffee und Mohnschnecken-Kauf. Das Bild hatte ich schon (beiFacebook) gezeigt.






Nach dieser Stunde wurde nur kurz mitgeteilt, dass die Tests ausgewertet werden müssen und ich in der nächsten Woche noch einmal zur Besprechung kommen sollte. Da stand ich nun. Und wartete letztlich nicht mehr darauf, was genau bei dem bevorstehenden Termin zur Besprechung herauskommen würde. Der Wuselbub hatte mittlerweile entschieden, Schule ist sein Ding. Da will er hin. Punkt. Aus der Nummer kam ich so oder so nicht mehr heraus. Da hätte ich das gar nicht erst anfangen dürfen, es so zum Thema werden zu lassen. Habe ich aber. Blöd gelaufen.

Die Auswertung des Schulreifetests verlief erwartungsgemäß positiv. Wie gesagt, um zu hören, dass das, was der Wuselbub kann, gut kann, war ich nicht da. Ich zählte noch einmal meine Kontrapunkte auf. Soooo jung und wertvolle Spiele-Bastelzeit im Kindergarten. Die Lehrkräfte gaben ihr Statement ab und ließen mich allein mit meinem Kopf. Und der hatte keine Lust mehr auf dieses Katz' und Maus Spiel. Wenn der Wuselbub unbedingt möchte, dann darf und soll er in die Schule gehen. Mir ist bewusst, dass er durchaus in zwei Wochen keine Lust mehr haben kann. Aber nun denn. Irgendwann muss eine Entscheidung stehen und diese Unsicherheit meinerseits kann so einer kleinen Kinderseele nicht gut tun. Denn, es steht außer Frage, dass der große Wuselbub absolut Startklar für die Schule ist. Daran ist nichts zu rütteln. Auch nicht seine 5 Jahre bei Schulbeginn.

Jetzt heißt es, meine Bequemlichkeiten über Board zu werfen. Urlaub in der Ferienzeit - damit hab ich zum Beispiel in diesem Jahr gar nicht gerechnet. Oder Schulranzen kaufen - das wohl leidigste Thema aktuell. (Wenn jemand dahingehend Tipps hat... immer her damit. Wir liebäugeln mit einem Ergobag Cubo SchlauBär. Und ja, der Wuselbub hängt mir seit Tagen in den Ohren. Wann denn endlich der Schulranzen da wäre. Geduld ist eine Tugend)

Um Himmels Willen. Ich hab dieses Jahr ein Schulkind unterm Weihnachtsbaum!

Letztlich kann ich nur falsch Entscheiden. Habe ich mir so gedacht. Entweder der Wuselbub wird es mir nun auf Ewig übel nehmen, dass ich ihn jetzt schon in die Schule gehen lasse, und er ja noch sooooo jung... quasi der jüngste in der Klasse sei und somit auf Ewig der Kleine sein wird. Oder aber er wird es mir auf Ewig vorhalten, warum ich ihn noch im Kindergarten gelassen habe, wo er doch schon längst mit allem durch sein könnte!

Wir werden sehen. Mein Achterbahnfahrt ist in jedem Fall beendet. Der Bauch sagt ja zur Schule und erinnert mich daran, dass der Wuselbub täglich ab 12 Uhr daheim sein wird  und somit ausreichend Zeit wäre um das eine oder andere fertig zu basteln. Vielleicht hat er bis dahin gar keine Lust mehr zu bauen. Scherz! Ich glaube, diese eine Liebe wird nie zu ende gehen!

Neben Geburtstag des Miniwusels heißt es jetzt also... die Schule naht. Mit großen Schritten.

Bis dahin machen wir weiter. Es gibt immer was zu kleben, zu schneiden oder zu bauen. Yippieh jaja dubidubida. Oder so ähnlich.

Nur gut, dass der Miniwusel kein Kann-Kind ist. Da muss ich nichts entscheiden. Ich bin da einfach nicht gut darin.



Minensie